Beiträge von ulf

    Logdaten relativieren die offizielle XP-Zahlenkosmetik


    Im EU-XP-COC stehen als Maximum Net Power keine 330kW wie hier im Blogtitel, sondern "nur" 320kW.

    Mit einem Diagnosetool kann man u.a. auslesen bzw. berechnen, welche Leistung der volle Akku bei Vollstrom abgibt, und was davon als mechanische Leistung aus dem Heck- bzw. Frontmotor rauskommt:


    Akku_Motorleistung_XP_86_83%SoC.jpg


    Dies sind errechnete Daten auf Grundlage geloggter Spannungen, Stromstärken, Drehzahlen und Drehmomente. Da mir kein Grund für absichtlich verfälschte Diagnosedaten bekannt ist, gehe ich davon aus, daß die Genauigkeit aller Logdaten dem üblichen Stand der Technik entspricht und auch die Ergebnisse der Berechnungen entsprechend genau sind.


    Die dunkelblaue kW-Summenkurve für Heck- und Frontmotor zeigt max. 310kW, obwohl der Akku max. ~340kW liefert. Die Differenz sind die Verluste in den HV-Kabeln, den Invertern und den PSM selbst - im Mittel ca. 7%, was einen Wirkungsgrad von den Akkuklemmen bis zu den Motorwellen von ca. 93% ergibt.

    Zudem sackt die Motor-Summenkurve mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter ab, und bei 150km/h geben die Motoren zusammen nur noch ~285kW ab, anstelle der 320kW aus der MG-Werbung - also rund 11% zu wenig.

    Allerdings verspricht MG nirgendwo "320kW über den gesamten Geschwindigkeitsbereich", sondern es reicht 1 Punkt der Kurve mit mindestens 320kW. In dem Diagramm kommt die Summenleistung bei 80km/h (310kW) dem Versprechen am nächsten, und die 3,1% Abweichung sind noch im Rahmen des Üblichen.


    Aber ich fragte mich auch, ob die fallende Gesamtleistung in der Software angelegt ist, um den Akku bei Vollstrombeschleunigungen nicht ganz so schnell leerzuschlürfen.

    Dazu berechnete ich aus der Division von Akkuspannung und -strom bei Vollstrom den Lastwiderstand für 4 verschiedene SoC laut BMS (wenn das Voll-Laden bei 100% SoC-Anzeige stoppt, meldet das BMS nur 92,1% SoC – die Differenz ist wohl der gesperrte "obere Puffer" des 64kWh-Akkus).

    Die Grundfunktion des Lastwiderstandes: Je kleiner der Widerstand, umso mehr Strom fließt, und die Leistung steigt. Wenn der Widerstand bei allen SoC und Drehzahlen gleich ist, wird die Vollstrom-Motorleistung nicht geregelt (ich weiß, das ist die einfachste Betrachtung nach Gleichstrom-Prinzipien, aber für vergleichende Grundaussagen sollte sie ausreichen).

    Hier meine Auswertungen:


    Lastregelung_Vollstrom_XO_SoC12-92%.jpg


    Interessant ist z.B. der Vergleich von grünen und gelben Kurven: Die abgegebene Leistung bei 83% SoC entspricht weitgehend der 92%-Kurve - aber offenbar nur, weil der Akku bei 83% SoC insgesamt mit einem kleineren Widerstand belastet wird,


    Bei weiter sinkendem SoC (19%, blaue Kurven) wird mit einem fast doppelt so großen Lastwiderstand gearbeitet wie bei voller Batterie. Das kostet zwar spürbar Leistung, aber streckt die Restreichweite auch beim Ballern mit Vollstrom entsprechend.


    Bei 12% SoC (orange Kurven) wird der Akku bei Vollstrom bis gut 100 km/h ungefähr genauso belastet wie bei 19% SoC, aber oberhalb 100 steigt der Lastwiderstand steil an, und demensprechend stürzen Leistung und Beschleunigung ab. Hier zieht also die Software die Leistung in den Keller, um nochmal die Restreichweite zu erhöhen und wohl gleichzeitig den Fahrer so zu nerven, daß er hoffentlich die nächste Lademöglichkeit anläuft.


    Mein Fazit hinsichtlich der 320kW Papier-Spitzenleistung des XP:

    Damit ist offenbar die Peak-Systemleistung als stumpfe kW-Summe beider Motoren gemeint, nämlich 170kW beim Heckmotor + 150kW beim Frontmotor - auch wenn selbst der randvoll geladenen Akku von der Software nur so "wenig" belastet wird, daß die max. Leistungssumme beider Motoren nie die 320kW erreicht.

    Hoffentlich wird JET die 49c/kWh so lange halten (und schnell weitere Tankstellen mit HPC ausstatten), bis die Adhoc-Abzocker sich genötigt fühlen, ihre Ladetarife in Richtung JET zu ändern :/

    Jetzt muß JET in D bloß schnell mehr als die bisherigen 24 !! Ladesäulen bereitstellen ;)

    Und schwupps, schon erledigt: In einem bekannten Ladepunktverzeichnis sind für Jet 35 Standorte mit 156 Ladepunkten gelistet 8o

    Edit: OK, das ist incl. Österreich . . . aber in D sinds immer noch 25 Standorte mit meistens je 4 Ladepunkten.

    Hier noch meine Logdaten-Berechnung der elektrischen Leistungskurve vom Akku und den berechneten mechanischen Leistungen von Front- und Heckmotor.

    Beim XP lassen sich Front- und Heckmotor auslesen, aber nur getrennt statt gleichzeitig. In den abrufbaren Motordaten sind jeweils auch Akkudaten (Spannung, Strom, SoC) enthalten, aus denen ich die Akkuleistung berechnet habe.

    Die "mechanischen kW" habe ich aus den Motordaten für Drehzahl und Drehmoment berechnet und für die Relation zur Akkuleistung addiert. Auf dieser Grundlage ergibt sich ein Gesamtwirkungsgrad zwischen Aku und Motorwellen von rund 93% (also ~ 7% Verluste in HV-Kabeln, Invertern und Motoren):


    Akku_Motorleistung_XP_86_83%SoC.jpg


    Wenn man von korrekten Diagnosedaten ausgeht, zeigt auch die die max. kW-Summe von Front- und Heckmotor, daß die 320kW Papier-Pmax des XP wohl relativ optimistisch angesetzt sind, denn 310kW im Peak bei geschätzten 20°C Akkutemperatur sind 3,2% weniger als in der Werbung steht.

    Bei 140 - 150 km/h verläuft meine Summenkurve schon ~ 13% unter der Papier-Pmax, was das (laut UTube-Videos) vebreitete Gefühl erklären kann, daß BEV im Vergleich zu Verbrennern mit ähnlichen Fahrleistungen "obenraus" deutlicher die Puste ausgeht.


    Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn im Alltag ist der XP auch mit diesen "Meßdaten" eine respektable Fahrspaßmaschine ^^ ^^

    niemand vor mir. Am Strassenrand stand eine Muelltonne, das ist alles was ich erinnere.

    Das erinnert mich teilweise an das häufige ACC-Bremsen meines XP, wenn innerorts rechts einzelne Fzg'e parken. Die springen im Fahrerdirsplay oft von "rechts der eigenen Fahrspur" plötzlich mitten vor den MG4 und lösen so "logische" Bremsungen aus.

    Als Voll- / Notbremsungen (mit aktivem ABS) empfinde ich das aber nicht, sondern eher als nervige mittelstarke Bremsungen, um vor dem angeblichen Hindernis zum Stehen zu kommen.

    Diese Bremsungen kann ich unterdrücken, wenn ich den Fuß leicht aufs Strompedal lege: dann verschwindet auch das Fake-Hindernis im Fahrerdisplay.

    Aber wehe, ich nehme den Fuß vom Strompedal, bevor ich an dem vermeintlichen Hindernis vorbei bin: dann ploppt das Ding wieder vor dem MG4 auf, und im gleichen Moment kommt eine gefühlte Vollbremsung, weil ja der Abstand zum vermeintlichen Crash-Hindernis schon dramatisch klein ist und die Software vmtl. wenigstens versuchen will, das Crashtempo noch zu verringern.

    Ausgehend von diesem "verläßlichen" Eigenleben des ACC könnte ich mir in Deinem Fall vorstellen, daß die Software z.B. die Mülltonne zu spät als Gefahr erkannt hat und entsprechend heftig bremste. Oder z.B. ein kleines Tier ist kurz vor Deinem MG4 über die Fahrbahn gehuscht, und die Software hat es als Kind erkannt... ?(

    Der Ausgleich hat 4 Stunden gedauert, obwohl ich regelmäßig Ausgleichsladungen beim Laden bis 80% feststelle.

    Boah, dagegen sind meine 2 Stunden ja fast noch Kinderkacke...


    Zitat

    Ist es eigentlich schädlich so einen Ausgleich abzubrechen?

    Theoretisch wohl irgendwie schon, da der Ausgleich ja Teil der Akkupflege ist. Und wenn eine Pflegeaktion vorzeitig abgebrochen wird und man die Auswirkung einschätzen soll, würde ich sagen "Besser wird der Akku davon wohl nicht, sondern eher ein bißchen schlechter."

    Wieviel aber "ein bißchen" in konkreten Daten wäre... diese Frage gebe ich elegant in die Runde weiter *duckundweg* :whistling:

    warum die Hersteller immer nur so wenig Anhängelast freigeben? Das die Reku zu hoch wird und der Akku das nicht verträgt?

    Glaube ich nicht.

    Per Reku verzögert ein BEV (plus Hänger) eben nur so stark wie die Software es erlaubt. Für stärkere Bremsungen muß man dann eben aufs Pedal treten - aber darin sehe ich keinen zwangsläufigen Grund für niedrige Anhängelasten ;)

    Hin und Wieder sollte aber auch auf 100% aufgeladen werden, da die Ausgleichsladung beim Ladeziel 100% besser ist als bei 80%.

    Vor allen Dingen scheint der 100%-Ausgleich endlos lange zu dauern. Meinen NMC habe ich im letzten halben Jahr zwischen 30 und 40% SoC per WB jeweils bis 70% geladen, immer incl. Ausgleich, der jeweils nur ~ 10 Minuten dauerte.

    Bei den letzten beiden Kalibrierungsladungen (unter 10% bis 100%) dauerte der Ausgleich jeweils über 2 Stunden ?(

    schon mehrfach schwere Segelflug-Anhänger mit Flugzeugen drin gezogen...

    geschätzt nur 10-15% weniger Reichweite.

    Wenn die Hänger eine glatte geschlossene Hülle haben, ist die aerodynamische Stirnfläche relativ klein, und die Hülle wird auch nur wenig Wirbel erzeugen. Entsprechend gering wird der zusätzliche Luftwiderstand ausfallen ;)